Der Mensch ist die beste Medizin des Menschen
…sagt ein nigerianisches Sprichwort. Eine Weisheit, die auch den Menschen hilfreich ist, die in unserer Stadt einen maßgeblichen Anteil daran haben, Menschen für eine Beschäftigung in ihrem Betrieb auszuwählen und einzustellen.
Seit fast einem Jahr bin ich nun bei den Elbe-Weser Werkstätten gGmbH
im Team des Integrationsfachdienstes als Integrationsberater tätig.
Im Gegensatz zu den Kollegen im Integrationsfachdienst verfüge ich über
eine kaufmännische Ausbildung. Ich war lange Zeit leitend tätig, unter
anderem auch im Berufsbildungszentrum der Kreishandwerkerschaft
Bremerhaven. Aus dieser Arbeit heraus ergab sich auch eine ca. 25
jährige ehrenamtliche Tätigkeit in verschiedenen Prüfungskommissionen
der Handwerkskammer, z.B. den Ausbildungsgängen zum „Betriebswirt des
Handwerks“, dem „Technischen Betriebswirt“, der
„Ausbildereignungsprüfung“ und verschiedener
Meisterprüfungskommissionen. Somit ist mir das Handwerk sehr gut
bekannt. Ich kenne auch die Sorgen und Probleme im betrieblichen Alltag
eines Handwerkbetriebes.
In enger Zusammenarbeit mit dem Handwerk wurde zum 01.01.2010 ein Büro
im Haus des Handwerks eingerichtet und von mir bezogen. Dadurch ist
eine gute Zusammenarbeit mit der Handwerksorganisation hier in
Bremerhaven möglich. Beispielsweise durch den Besuch von Kursen, wie
„Betriebswirt des Handwerks“, „Vorbereitung zur
Ausbildereignungsprüfung“, Kurse zum „Technischen Betriebswirt“ und den
Fachkursen zur Meisterprüfung, die einen guten Zugang zu künftigen
Leistungsträgern im Handwerk ermöglichen.
Außer dem Handwerk haben auch die Industrie- und Handelskammer und der
Unternehmensverband Bremerhaven ihre Zusammenarbeit und Unterstützung
zugesagt.
So werden inzwischen erstellte Flyer der Integrationsberatung in Kürze
an die ca. 650 Mitglieder der Kreishandwerkerschaft und an die ca. 4500
Mitglieder der IHK-Bremerhaven durch diese Organisationen an ihre
Mitgliedsbetriebe verteilt werden.
Ein Beirat, dessen Zusammensetzung aus den verantwortlichen Mitgliedern
aller beteiligten Organisationen besteht, wird im Herbst dieses Jahres
zum zweiten Mal tagen. Hier werden die Erfahrungen aus diesem Projekt
vorgestellt und Möglichkeiten einer aktiven Unterstützung besprochen.
Meine Aufgabe besteht darin, in Bremerhaven Betriebe zu besuchen, um
Arbeits- oder Ausbildungsplätze für Menschen mit Behinderungen zu
finden. In diesem Zusammenhang bietet dieses Projekt ein Angebot für den
Betrieb, wenn es um diesbezügliche Fördermöglichkeiten und
Antragstellungen geht, aber auch, um Arbeitgeber zur Beschäftigung von
Menschen mit Behinderungen zu beraten.
Ich nehme telefonischen Kontakt mit Betrieben auf und versuche, mit dem
Personalverantwortlichen einen Gesprächstermin zu vereinbaren. Dies
gelingt in der Regel auch recht gut. Das Gespräch beginnt mit der
Darstellung meiner Aufgabe und geht dann über in einen
Informationsaustausch, in dem auch die aktuelle betriebliche Situation
und die personelle Situation angesprochen werden. Bei der Thematik
„schwerbehinderte Mitarbeiter“ erlebe ich die unterschiedlichsten
Reaktionen. Diese reichen von sehr guten Erfahrungen, schlechten
Erfahrungen oder aber überhaupt keinen Erfahrungen. Wie in allen anderen
Lebenssituationen werden gemachte „schlechte Erfahrungen“ viel besser
in Erinnerung behalten als alle anderen. Keine Erfahrungen bieten für
mich Ansatzpunkte, eventuell vorhandene Vorurteile bezüglich der
Einstellung behinderter Menschen und den mit der Beschäftigung von
behinderten Menschen einhergehenden rechtlichen Rahmenbedingungen
anzusprechen und die Vorteile eines solchen Beschäftigungsverhältnisses
herauszustellen. Von großer Bedeutung ist natürlich die aktuelle
wirtschaftliche Situation, die einen Erfolg im Sinne der „Einstellung
eines Menschen mit Behinderung“, leider oft verhindert. Schließlich ist
es auch wesentlich, ob eine freie Stelle zur Verfügung steht. Dabei
erlebe ich zum Glück oft sehr erfreuliche Kontakte, die zwar nicht
gleich zum Erfolg führen, die aber das Gefühl vermitteln, hier könnte
sich in der Zukunft noch etwas tun. Hilfe und Unterstützung erhalte ich
vom IFD-Team der Elbe-Weser Werkstätten, das auf eine lange erfolgreiche
Arbeit in der Vermittlung ihrer Teilnehmer zurückblicken kann.
Über die Integrationsberatung konnten inzwischen 5 Arbeitsplätze
akquiriert werden und die ein oder andere Möglichkeit für
Probebeschäftigungen oder Praktika gefunden werden.
So bleibt zum Schluss die gute Hoffnung, in dieser Tätigkeit noch
erfolgreicher wirken zu können. Zum Wohle vieler Menschen mit
Beeinträchtigungen, welche auf einem heiß umkämpften 1. Arbeitsmarkt oft
grundlos in die zweite Reihe bei einer Bewerbervorauswahl gestellt
werden.




